Ausgetretene Pfade waren für mich nie ein Thema. Ich entschied mich immer dafür meinem Herzen zu folgen, auch wenn dieser Weg meistens weder einfach war, noch in meinem Umfeld für breite Zustimmung sorgte.

Erste Klarheit

Mit dreizehn wusste ich genau, was ich will. Die Musik war meine Welt, dafür war ich Feuer und Flamme! Damit habe ich vieles erreicht, dafür aber auch vieles gegeben.

Während meiner Karriere als Konzertpianistin habe ich erfahren, was Performance, Druck und Leistung bedeuten. 100-prozentiger Einsatz und Opferbereitschaft waren die Bedingungen für Erfolg. Ein Leben als normaler Teenager gab es nicht. Schon als Jugendliche musste ich lernen, mich in einem harten Business durchzusetzen. Der Lohn war ein intensiver Austausch mit anderen Künstlern und Persönlichkeiten aus den verschiedensten Kreisen, der meinen sprachlichen, kulturellen und sozialen Horizont bereichert hat. Die Vertiefung in die Musik führte mich immer wieder zu neuen Quellen der Kraft.

Hürden, Kämpfe und Glück

Als ich dann im zarten Alter von 20 Jahren meine Jugendliebe heiratete, musste ich neue Hindernisse überwinden. Niemand konnte meinen Entscheid verstehen und plötzlich sah ich mich einem enormem Druck des grössten Teils meiner Umwelt gegenüber. Die meisten meiner sozialen und beruflichen Kontakte brachen weg und ich musste mir den Weg zu meinem persönlichen Glück hart erkämpfen. Nach der Geburt unserer beiden Söhne entschied ich mich, für meine Familie da zu sein. Es war mir wichtiger, diesen wichtigen Lebensabschnitt bewusst zu erleben, als meine Karriere auszubauen und durch Konzertreisen vieles in meinem Privatleben zu verpassen. Auch dies war ein Entscheid, der mich geprägt hat und der nicht überall auf Verständnis stiess.

Und auch hier fand ich meine Kraftquellen. Ich genoss es, Mutter zu sein. Meine Söhne bringen ungeheuren Reichtum in mein Leben und gleichzeitig holen sie mich immer wieder ins Jetzt und auf den Boden zurück.

Verlust und Gewinn

Das Leben floss wieder breiter dahin, die Stromschnellen schienen überwunden, als ein Verlust mich mit ganz neuen Themen konfrontierte. Ich musste mich mit der Endlichkeit befassen und begann, mich zu fragen, was das Leben denn wirklich bedeutet. In den folgenden Jahren entdeckte ich eine neue Welt der Reflexion, ich lernte verschiedene Weltanschauungen kennen, beschäftigte mich mit den grossen Fragen. Woher kommen wir, wohin geht die Reise? Was bedeutet es, ein sinnvolles Leben zu führen, und was sind meine Werte?

Während dieser Zeiten von Wechsel und Veränderungen, in den Strecken in meinem Leben mit Stress, Druck und Anstrengung, haben mich mein Wille und mein Durchsetzungsvermögen nie verlassen. Ich hatte nie auch nur einen Augenblick Zweifel, dass mir meine Arbeit Freude bereitet und mein Leben sinnvoll ist. Die Selbstreflektion und das Hören auf meine innere Stimme haben zu meiner Persönlichkeit beigetragen.

Kein Ratschlag

Ich habe immer nach neuen Herausforderungen und Aufgaben gesucht. Die Transition, der Wechsel in eine neue Verantwortung und in ein neues Gebiet oder einen neuen Lebensabschnitt ist mit Zweifeln, Ängsten und vielen Fragen verbunden.

Im Rückblick möchte ich keine dieser Erfahrungen missen. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl, viel erhalten zu haben und dies möchte ich auch weitergeben. Nicht durch Ratschläge, denn jedes Leben ist anders und jeder Mensch packt seine Aufgaben wieder anders an. Doch indem ich meine Erfahrungen mit anderen teile, zeige ich, dass das Leben nie geradlinig verläuft und niemand perfekt sein muss.

Oder anders gesagt: Es geht nicht darum, wie weit wir kommen, sondern was wir auf unserem Weg mitnehmen können.